Nachruf auf Ingo Maurer

Anna-Luise Lippach, 22.10.2019

Nachruf auf Ingo Maurer

Am 21.10.2019 starb Ingo Maurer im Alter von 87 Jahren. Der Lichtkünstler und Designer zählte seit den 1960er Jahren zu den absoluten Größen seiner Kunst – und prägte gerade in seiner Heimatstadt München das öffentliche und kulturelle Leben mit Lichtinstallationen und Beleuchtungskonzepten an prominenten Orten. Mit unkonventionellen Ideen gab er dem Leuchtendesign immer wieder neue Impulse, schuf wahre Ikonen und experimentierte gerne mit neuen Technologien – darunter LED und OLED. Seine Leidenschaft galt allerdings der klassischen Glühbirne, deren Bild sich als roter Faden durch sein Werk zieht.

Geboren wurde Maurer 1932 auf der Insel Reichenau. Nach einem Studium des Grafikdesigns in München ging er zunächst in die USA, kehrte aber 1966 nach München zurück, wo er sein eigenes Designstudio gründete. Bald schon entwarf er eine erste Leuchte, die auch gleich seinen Weltruhm begründen sollte: Die Tischleuchte Bulb (1966) in Gestalt einer überdimensionierten Glühbirne wurde schon kurz darauf in die Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art aufgenommen. Immer wieder kehrte Maurer zum Motiv der Glühbirne zurück, die er unkonventionell ohne Leuchtenschirm inszenierte – mal ironisch, mal verträumt. Für die Leuchte Lucellino (1992) versah er eine Glühbirne mit Flügeln und ließ sie anmutig im Raum flattern wie ein kleiner Vogel – die Geburt eines weiteren Klassikers.

Bei dem Lichtsystem YaYaHo (1984) nutzte Maurer als einer der ersten Niedervolt-Halogenlampen für ein individualisierbares Objekt, bei dem die einzelnen Leuchtelemente frei auf zwei Metallseilen platziert werden. Ähnlich individuell und wandelbar ist die Pendelleuchte Zettel’z (1997), ein Designklassiker mit hohem Wiedererkennungswert, deren Diffusor aus zahlreichen Papierzettelchen gebildet wird und die heute in vielen Büros und Wohnzimmern ihren lässigen und individualistischen Charme spielen lässt.

Auch Sonderanfertigungen und individuelle Lichtobjekte schuf Ingo Maurer für Projekte auf der ganzen Welt. Erst wenige Tage vor seinem Tod wurde die Installation „Silver Cloud“ im Foyer des Münchner Residenztheaters vorgestellt. Für sein bemerkenswertes Lebenswerk erhielt Ingo Maurer 2011 den Compasso d’Oro, den „Oscar“ unter den Designpreisen.

Ingo Maurer verstarb am 21.10.2019 in München im Kreis seiner Familie. Das Team von NOSTRAFORMA trauert mit der Familie und den Mitarbeitern unseres langjährigen Partners.