Memphis Design

Anna-Luise Lippach, 20.12.2019

Memphis war eine Designbewegung der 1980er Jahre, die sich gegen den Funktionalismus richtete und mit individualistischen und farbenfrohen Entwürfen zu Weltruhm gelangte. Heute sind viele ihrer Werke Designikonen und Sammlerstücke; der Einfluss von Memphis auf Kunst, Mode und Design ist auch Jahrzehnte nach ihrem Ende spürbar.

Die Gründung der Memphis Group erfolgte 1980, als Ettore Sottsass mehrere Designer zu einem Treffen in seine Wohnung einludt. Schnell kam der Gedanke zu einer gemeinsamen Kollektion, wobei es weniger um einen einheitlichen Stil ging als darum, den Status Quo herauszufordern. An diesem Abend wurden auch Schallplatten gehört - und als Bob Dylans Song "Stuck Inside of Mobile with the Memphis Blues Again" bei dem Wort "Memphis" hängen blieb, war der Name für die neue Gruppierung gefunden.

Memphis war jedoch nicht nur eine Reaktion auf den Funktionalismus, sondern auch auf elitäre Strömungen in seiner Gegenbewegung, dem Radikalen Design - speziell auf Studio Alchimia, ein Designerkollektiv, für das auch Sottsass gearbeitet hatte und dessen konzeptionelle, konsumkritische Einstellung er ablehnte. Sottsass wollte seine Entwürfe zur Serienreife entwickeln und einem breiten Publikum zugänglich machen - Grund für sein Ausscheiden bei Alchimia und die Gründung seiner eigenen Bewegung. Trotzdem war auch Memphis zunächst eher ein Experiment zum Ausloten des Machbaren.

Die erste Memphis-Ausstellung fand 1981 während der Salone del Mobile in Mailand statt und sorgte für einen wahren Besucheransturm. Auch Ernesto Gismondi, Direktor von Artemide, zeigte sich begeistert und produzierte 1982 die ersten Memphis-Objekte - darunter die Leuchten Callimaco und Pausania von Ettore Sottsass, die auch heute noch (als modernisierte LED-Versionen) im Sortiment der Marke zu finden sind.

Zu Memphis zählten neben Sottsass auch Michele de Lucchi, Matteo Thun, Javier Mariscal, Shiro Kuramata, Michael Graves, Marco Zanuso und viele andere Designer aus aller Welt.

Memphis folgte keinem einheitlichen Stil, charakteristisch sind aber schrille Farben, unruhige Muster und bizarre, antifunktionale Formen. Viele Memphis-Objekte erinnern an Spielzeug - bestes Beispiel die Tischleuchte Super von Martine Bedin, die auf Rollen fährt wie ein Spielzeugauto, oder das Regal Carlton von Sottsass, das aussieht wie aus bunten Bauklötzen zusammengesetzt.

Obwohl der kommerzielle Erfolg ausblieb und sich die Gruppe bereits nach wenigen Jahren auflöste, ist Memphis dennoch eine Erfolgsgeschichte. Das Kollektiv prägte die visuelle Sprache der 1980er und beeinflusste zahlreiche Künstler und Designer in ihrem Schaffen. Heute begegnet man in Architektur und Mode, Popkultur und natürlich auch im Produktdesign immer wieder Memphis-Zitaten in der Form von Mustern, Farben und exzentrischen Formen.

Ein leidenschaftlicher Memphis-Anhänger war übrigens David Bowie, der in seiner Wohnung mit über 100 Möbelstücken und Haushaltsgegenständen der Gruppe lebte - eine der größten Memphis-Sammlungen überhaupt, und sicherlich die perfekte Umgebung für den Ausnahmekünstler, der sich genau wie Memphis jenseits aller Kategorien bewegte.