Philippe Starck, Marcel Wanders, Karim Rashid kennen wir. Doch „Who the Floyd is Paxton“?

Sabina Strambu, 13.03.2013

Foto: Wo Marcel Wanders drinsteckt, ist Marcel Wanders' (Kopfumriss) meistens drauf, wie hier auf der Unterseite der famosen Pendelleuchte Skygarden von Flos.

Sein oder nicht Stardesign? Wie Objekte vom Kult ihrer Kreateure leben ...

Was genau ist ein Stardesigner? Besser gesagt, wer? Jemand, der durch seine Kunst, pardon, seine Entwürfe, Kultstatus erreicht hat? Jemand, der besonders exzentrisch ist? Jemand, der gerne im Rampenlicht steht? Jemand, der sich mehrfach einen Namen gemacht hat? Oder jemand, dessen Name schlichtweg interessant und berühmt klingt? Anlässlich der vor kurzem zu Ende gegangenen zweiten Ausgabe der Munich Creative Business Week MCBW 2013, einer einwöchigen Veranstaltung in München, bei der sich die Kreativwirtschaft der Stadt Gleichgesinnten präsentiert, sind wir einer interessanten Geschichte auf die Spur gekommen. Wo ein Designer draufsteht, ist nicht immer der genannte Designer drin. Aber keine Sorge, hier geht es nicht um Produktpiraterie oder Ähnliches. Hier geht es vielmehr um den Mythos, der sich um die Namen der jeweiligen Designer rankt, und wie diese Namen zur Identität der Produkte beitragen. Im vorliegenden Fall haben wir es einer gelungenen Ausstellung auf der MCBW zu verdanken, dass nun das Geheimnis rund um eine weltweit beliebte Designerleuchte gelüftet ist.

Foto: Für die Kampagne „A tribute to light“ von Artemide ließ sich Karim Rashid vom Fotografen Elliott Erwitt im Jahr 2011 nebst seiner Doride ablichten. Keine Frage, Karim Rashid ist sicherlich der kreative Kopf hinter der schlangenförmigen Stehleuchte. Aber ...

„Who the Floyd is Paxton?“

Diese Frage stellte Markus Frenzl, Designkritiker und Publizist, in einem Text, für den er im Jahr 2007 von Seiten der Veranstalter einer Designmesse beauftragt wurde. Dem Motto der Messe, „Design und Identität“ folgend, ging Markus Frenzl dem übertriebenen Hype rund um Stardesigner und ihre Namen nach, um letztendlich einen – mehr oder weniger erkennbar – ironischen Artikel über den Designer Floyd Paxton und sein Werk, die Pendelleuchte Zoom von Serien Lighting, zu schreiben. Doch der Artikel wurde nie veröffentlicht. Zu lesen war er lediglich in der Münchner MCBW-Ausstellung „Rejected“, in der 10 weitere gescheiterte Arbeiten von bekannten Kreativen ausgestellt wurden. Somit konnte die Öffentlichkeit auch nicht erfahren, dass hinter Floyd Paxton eingentlich jemand ganz anderes steckt ...

Foto: Zoom von Serien Lighting ist die moderne Interpretation eines Kronleuchters, der sich dank seines Scherenmusters auf beliebigen Durchmesser ausziehen lässt.

Der Katalog zur Ausstellung „Rejected“ bringt letztendlich die Wahrheit ans Licht: Im Erklärungstext steht:

Floyd Paxton ist eine Erfindung des Leuchtenherstellers Serien. Der Name, der selbst in großen Design-Verzeichnissen zu finden ist, wurde einige Jahre zuvor gewählt, um herauszufinden, ob sich ein Leuchtenentwurf eines Designers mit einem international klingenden Namen besser verkauft, als mit einem Namen wie Manfred Wolf. Der nämlich ist einer der beiden Geschäftsführer von Serien und der eigentliche Gestalter der Leuchte.

Foto: Ob einfach, zweifach oder dreifach ineinander gehängt, ob in verträglichen Ausmaßen oder als raumeinnehmende XL-Version: Zoom ist ein genialer Entwurf, der sich weltweit Beliebtheit erfreut.

Der Hersteller Serien Lighting hat einige bekannte Personen in seinem Designer-Repertoire. So entwarf beispielsweise Yaacov Kaufmann die Leuchtenserien One Eighty, Job oder Propeller, das Duo Hopf & Wortmann steht hinter der originellen Serie Pan Am, und der schöne Name Jean Marc da Costa, der übrigens der zweite Kopf hinter dem Unternehmen Serien Lighting ist, entwarf die Bestseller SML oder die Leuchten der Serie Club. Da reiht sich nur allzu passend ein Name wie Paxton ein.

Foto: Alles halb so wild! Bei der Tischleuchte Ara von Flos ist wiederum sicher, dass uns keiner die Hörner aufgesetzt hat, und niemand Geringeres als Stardesigner Philippe Starck hinter dem Entwurf steckt.

© Jean-Baptiste Mondino, FLOS ADV page (1994)

Doch nun wissen wir: Wo Floyd Paxton draufsteht, ist Manfred Wolf drin. Und trotzdem bleibt die Zoom von Serien Lighting ein genialer Entwurf, der seinen Erfolg bestimmt nicht nur dem mondänen Designernamen zu verdanken hat. Viel Erfolg auch weiterhin, trotz dieser kleinen Ent-Mystifizierung. Und danke an die Macher der Ausstellung „Rejected“, die neben dem Artikel über Floyd Paxton noch viele weitere zu Unrecht begrabene Kreativkonzepte präsentiert haben, sei es aus den Bereichen Film, Schmuck, Mode, Kommunikations- oder Produktdesign. Da bleibt nur noch eine Frage übrig: Why the Floyd is Anerkennung guter Ideen manchmal so schwer?