Kleine Glaskunde - Designleuchten aus mundgeblasenem Glas und edlem Kristall

Karin Bräckle, 02.12.2011

Foto: Weckt Kindheitserinnerungen - Pendelleuchte Bolla von Fontana Arte ist aus transparentem Glas und - wie eine Seifenblase - mundgeblasen.

Leuchten und Leuchtenschirme aus Glas sind Dauerbrenner. Der fragile Werkstoff setzt der Fantasie der Designer keine Grenzen, lässt sich beliebig färben und formen und funkelt im Lichtschein ganz besonders schön. Die Insel Murano vor den Toren Venedigs ist das wichtigste europäische Zentrum für Glasherstellung und Geburtsstätte der opulenten Muranoglasleuchter. Kein Wunder also, dass vor allem norditalienische Leuchtenhersteller wie FontanaArte, Flos oder DeMajo auf die regionale handwerkliche Kompetenz zurückgreifen und meisterhaft verarbeitetes Glas für ihre zeitgenössischen Leuchtenkreationen verwenden. Doch Glas ist nicht gleich Glas und auch nicht immer glasklar. Es gibt eine Vielzahl an Fertigungsverfahren und Oberflächenstrukturen, die das Design und vor allem die Lichtwirkung einer Leuchte beeinflussen. Darum wollen wir Ihnen an dieser Stelle die wichtigsten Spielarten für die Herstellung von Designerleuchten aus Glas vorstellen:

Foto: Ohne Worte - die mundgeblasenen Kristallblasen der Pendelleuchte Ether von Murano Due werden von oben angestrahlt.

Glas - was ist das?

Glas, wie wir es heute verwenden, ist ein künstlich hergestelltes Material aus Quarzsand, Soda, Pottasche, Feldspat, Magnesium- und Kalziumkarbonat. Die Rohstoffe werden in feuerfesten Wannen verschmolzen und anschließend in die gewünschte Form gegossen, gepresst, gewalzt oder geblasen. Am aufwendigsten ist die Herstellung von mundgeblasenem Glas. Am brillantesten ist Kristallglas, dessen Zusammensetzung gesetzlich definiert ist. Weiterer Vorteil: da Glas ein festes Material ist, kann es nicht nur für Leuchtenschirme, sondern auch für die komplette Leuchtenstruktur genutzt werden.

Foto: Funkelnder Glanz ohne aufwendigen Schliff - die Pendelleuchte Primula von Axo Light glänzt mit einem blütenförmigem Schirm aus glattem Kristallglas.

Transparenz und Brillanz

Typischerweise ist Glas transparent. Es schützt als Fenster vor Wind und Wetter oder dient als Behältnis für Wein oder Wasser. Leuchtenschirme aus modernem Klarglas eröffnen interessante Einblicke in die Leuchtenstruktur, während Lüster mit brillantem Kristallbehang Opulenz und Reichtum symbolisieren.

Foto: Klassisch geschliffener Kristallbehang feierte in den 1990er Jahren mit der Cellula Leuchtenserie von Anthologie Quartett ein grandioses Comeback.

Blicke unerwünscht - opales und satiniertes Glas

Doch Glas kann auch verhüllen und vor unerwünschten Blicken schützen. Sogenanntes opakes Glas ist undurchsichtig, jedoch lichtdurchlässig. Es verhüllt Leuchtmittel und Leuchtenfassungen, streut das Licht jedoch gleichmäßig, ohne zu blenden.

Foto: Onfale - die Pilze - von Artemide werden aus Opalglas mit glatter, glänzender Oberfläche hergestellt.

Opalglas, landläufig auch Trübglas oder Milchglas genannt, ist opalweiß und hat eine glänzende Oberfläche. Hier wird das Glas-Grundgemisch durch Zugabe von trübenden Stoffen milchig-weiß eingefärbt. Satiniertes Klarglas ist ebenfalls undurchsichtig und entsteht durch Bearbeitung der Glasoberfläche, die dann in der Regel auch matt glänzt. Zum Satinieren gibt es drei verschiedene Verfahren: die Sandstrahltechnik, bei der das Glas auf einer Seite aufgeraut wird, den Siebdruck, der farbliche Gestaltung ermöglicht, oder das Ätzen mit Säure.

Foto: Die Pendel-, Tisch- oder Stehleuchten Gregg von Foscarini sind aus mundgeblasenem, satinierten Glas. Die matte Oberfläche unterstreicht die natürlich Ei-Form der organisch geformten Leuchte.

Foto: Pendelleuchte Moody von Alt Lucialternative hat Diffusoren aus transparentem Glas mit mattierten Enden. Das außergewöhnliche Design hat auch einen praktischen Vorteil - man wird nicht geblendet.

Es muß nicht immer weiß sein

Leuchten und Leuchtenschirme aus farbigem oder spiegelndem Glas sind interessante Hingucker und setzen spannende Designakzente im Raum. Je nach Beschaffenheit des Glases können sie das Licht gleichmäßig streuen oder auf einen bestimmten Bereich ausrichten.

Foto: Tischleuchte Bokka von Kundalini ist aus mundgeblasenem Triplexglas, das aus drei verschiedenen Glasschichten besteht. Dank der weißen Innenseite wird die Lichtfarbe nicht verändert.

Foto: Die Leuchtenschirme der Poli Po Leuchtenserie von De Majo sind aus satiniertem, durchgefärbten Glas und können ganz individuell aus 15 verschiedenen Farbvarianten zusammengestellt werden.

Foto: Die weißen Farbschlieren auf dem transparenten Kristallglas der Deckenleuchte Macchia von Icone sind nicht aufgemalt, sondern werden von Glasbläsern eingeschmolzen.

Foto: Glamourös - die Pendelleuchte Notte von Prandina ist aus Glas und außen verspiegelt. Das Licht wird ausschließlich nach unten, z.B. auf einen Eßtisch, gerichtet.

Geblasen, gepresst oder gewalzt?

Flüssige Glasmasse kann mit Hilfe von Luft in die gewünschte Form geblasen werden - maschinell oder mit dem Mund und einer Glaspfeife. Glas kann aber auch in die gewünschte Form gegossen bzw. gepresst werden. Pressglas wird vor allem für die industrielle Herstellung von einfachen Glasbehältnissen, strukturierten Tellern oder aber zur Kreation außergewöhnlicher Designerleuchten mit besonderen Strukturen verwendet.

Foto: Charmant - der Schirm der Romeo Babe Deckenleuchte von Flos ist aus gerilltem Pressglas.

Wird die flüssige Glasmasse in speziellen Wannen glatt gewälzt, ensteht Flachglas, das für Glasscheiben oder Spiegel verwendet wird. Oder aber für extravagante Designerleuchten.

Foto: Geometrische Abstraktion - unterschiedlich große, flache Glasscheiben ergeben die kugelförmige Pendelleuchte 0024 von Fontana Arte. Das Design von Gio Ponti datiert auf das Jahr 1931 zurück.

Fazit: Designerleuchten aus Glas sind in ihrer Brillanz und Anmut unübertroffen

Einziger Wermutstropfen: sie sind zerbrechlich und sollten daher mit besonderer Vorsicht behandelt werden!