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Eileen Gray – zum 140. Geburtstag der legendären Designerin

Anna-Luise Lippach, 09.08.2018

Eileen Gray im Portrait, links ihr Stuhl Nonconformist, rechts die Stehleuchte Tube Light (beide erhältlich bei ClassiCon).

Eileen Gray (1878-1976)

Heute vor 140 Jahren wurde die berühmte Designerin und Architektin Eileen Gray geboren. Viele ihrer erfolgreichsten Möbelentwürfe sind selbst schon fast 100 Jahre alt – ein Alter, das man ihnen aber keinesfalls anmerkt. Kaum zu glauben, dass die Designerin selbst noch im Viktorianischen Zeitalter geboren wurde, denn ihre Werke wirken in Sachen Ästhetik und Funktionalität auch heute noch modern.

Eileen Gray wurde am 9. August 1878 in eine irisch-schottische Adelsfamilie geboren. Sie studierte Bildende Kunst in London und in Paris, zu einer Zeit, in der dies für Frauen noch außergewöhnlich war. Zu Grays illustrem Freundeskreis gehörten zahlreiche Künstler und unkonventionelle Persönlichkeiten wie der britische Okkultist Aleister Crowley, später auch der berühmte Architekt Le Corbusier. Gray beschäftigte sich anfangs mit Malerei, entdeckte Anfang des 19. Jahrhunderts ihre Leidenschaft für japanische Lackarbeiten und gelangte schließlich zur Innenarchitektur und zum Möbeldesign. In den 1920er Jahren begann Eileen Gray, sich mit Architektur zu beschäftigen und entwarf verschiedene Gebäude mit fantastisch modernem Flair.

Die letzten Jahrzehnte ihres bemerkenswerten Lebens verbrachte sie zwar in relativer Vergessenheit, arbeitete aber weiterhin als Innenarchitektin und Möbeldesignerin in Paris, wo sie 1976 im Alter von 98 Jahren starb. Zuletzt übertrug sie dem Designer Zeev Aram und seinem Unternehmen Aram Designs Ltd. die weltweiten Rechte an ihren Werken. Das deutsche Unternehmen ClassiCon produziert viele ihrer Möbel und Leuchten in Lizenz.

Im Bild: Adjustable Table und Day Bed von ClassiCon

E 1027: Eileen Grays architektonisches Gesamtkunstwerk

Eileen Grays berühmtestes Architekturprojekt war das Ferienhaus E 1027 in Südfrankreich, das sie für sich und ihren damaligen Lebensgefährten, den Architekten Jean Badovici, entwarf. Der Name ist ein Code aus den Initialien ihrer beider Vornamen: E für Eileen, die Zahlen 10, 2 und 7 für die Positionen der Buchstaben J, B und G im Alphabet. Zu den Bewunderern der Villa E 1027 gehörte auch Le Corbusier, der mit Gray und Badovici befreundet war. In den 1930er Jahren, nachdem sich Eileen Gray und Badovici bereits getrennt hatten und Gray nicht mehr in E 1027 wohnte, malte Le Corbusier mehrere kubistisch-erotische Wandgemälde auf die Innenwände des Hauses. Eileen Gray empfand dies als Vandalismus – hatte sie E 1027 doch bis ins Detail geplant und bewusst ohne dominanten Wandschmuck konzipiert. Den Eingriff in ihre Vision verzieh sie Le Corbusier nie.

Pionierin des Möbeldesigns

Viele von Eileen Grays Möbel entstanden speziell für E1027 und waren auf die Gewohnheiten von Gray und Badovici zugeschnitten. Das Day Bed (1925) entwarf sie als flexible Sitz- und Schlafgelegenheit für Gäste, die oft in E1027 empfangen wurden. Es ist von allen Seiten zugänglich und dank des asymmetrisch-winkligen Stahlrohrgestells aus jeder Perspektive interessant anzuschauen. Verchromtes Stahlrohr war damals ein Novum im Möbeldesign und verlieh Eileen Grays Werken eine markante, geometrische Linienführung, die auch heute noch hochmodern wirkt.

Der legendäre Beistelltisch Adjustable Table E 1027 (1927) ist ein Paradebeispiel für Eileen Grays zeitlose Formsprache und ihr Gespür für ästhetische Funktionalität. Die höhenverstellbare Tischplatte und der asymmetrische Fuß eröffnen zahllose Anwendungsmöglichkeiten als Nachttisch oder Beistelltisch, der sich auch über die Sitz- oder Liegefläche schieben lässt. Adjustable Table ist seit 1977 Teil der Designsammlung des Museum of Modern Art in New York – nicht das einzige Design von Eileen Gray, dem eine solche Ehre zuteil wurde.

Von links nach rechts: ClassiCon Roattino Stehleuchte, Bibendum Stuhl, Petite Coiffeuse Beistelltisch

Eileen Gray heute

Neben zahlreichen Sitzmöbeln und Tischen entwarf Eileen Gray auch Teppiche mit geometrisch-abstrakten Mustern, Paravents, Spiegel sowie Leuchten. Die minimalistischen Leuchten Tube Light und Pailla (beide 1927) und die dynamisch gebogene Roattino Stehleuchte (1931) bestechen durch Klarheit, Funktionalität und zeitlose Ästhetik.

Zu Lebzeiten geriet Eileen Gray fast in Vergessenheit, überschattet von vielen ihrer Zeitgenossen, darunter Le Corbusier, dem zeitweilig sogar fälschlicherweise die Villa E1027 zugeschrieben wurde. Das Gebäude war gegen Ende des 20. Jahrhunderts in einem desolaten Zustand, ist aber seit 2015 für Besichtigungen geöffnet – renoviert und authentisch möbliert. Auch in anderer Hinsicht merkt man die steigende Wertschätzung der wiederentdeckten Eileen Gray: Auf Auktionen erzielen ihre Originale Rekordsummen, Ausstellungen würdigen ihr Schaffen, Spiel- und Dokumentarfilme beschäftigen sich mit ihrem Leben und Designliebhaber schätzen die zeitlose Eleganz ihrer Möbel und Leuchten.

Kennzeichnend für Eileen Grays Designs ist eine gewisse Leichtigkeit, die sich oftmals durch Asymmetrie und Multifunktionalität ausdrückt. Ein Möbelstück kann auf vielfältige Weise genutzt werden, zum Beispiel lässt sich der Rivoli Teetisch durch Aufklappen vergrößern, und der Nonconformist Stuhl lädt dank seiner einzelnen gepolsterten Armlehne dazu ein, unterschiedliche Sitzpositionen einzunehmen. Dies macht Eileen Grays Werke nicht nur zu leicht wiedererkennbaren Ikonen, sondern auch zu komfortablen Möbelstücken, die perfekt zu einem modernen und ungezwungenen Lebensstil passen – damals wie heute.