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Achille Castiglioni - eine unvergessene Koryphäe des italienischen Designs

Christine Motzan, 29.10.2018

Foto: Achille Castiglioni war ein begnadeter Designer und Architekt. Er gilt als ein Wegbereiter des modernen Industriedesigns.

Lukrative Familienbande: Achille Castiglioni ist zweifelsohne einer der bedeutendsten Designer des 20. Jahrhunderts. Genau wie seine älteren Brüder, Livio und Pier Giacomo studierte er Architektur am Politecnico di Milano. Nach seinem Abschluss 1944 trat er dem Büro für Design und Architektur seiner beiden älteren Brüder bei. Livio verließ das Büro 1952 wieder, während die Zusammenarbeit zwischen Pier Giacomo und Achille Castiglioni noch viele Jahre währte und äußerst fruchtbar war. Die beiden bildeten ein kongeniales Team und entwickelten gemeinsam zahllose Designentwürfe.

Foto: Die berühmte Stehleuchte Arco von Flos mit integrierten LEDs wird für direktes Licht auf Ess- oder Couchtischen eingesetzt. Als Gegengewicht zu dem Bogen dient der Sockel aus weißem Carraramarmor.

Gewinnbringende Kooperation: Besonders erfolgreich waren Achille und Pier Giacomo Castiglioni mit ihren Leuchten, die sie vor allem für Flos entwarfen. Im ersten Jahr des 1962 gegründeten Leuchtenherstellers Flos produzierte dieser die Pendelleuchten Taraxacum (1960), Splügen Bräu (1961) sowie die Stehleuchte Arco (1962) der Castiglioni-Brüder. Alle drei Entwürfe und viele weitere, die folgen sollten, sind mittlerweile zu renommierten Designklassikern avanciert.

Foto: Die Stehleuchte Stylos spendet sowohl direktes als auch indirektes Licht.

Funktionale Einfachheit: Der italienische Designer Achille Castiglioni hat durch den unkonventionellen Ansatz seiner formvollendeten Entwürfe das Design des 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt. 1984 schuf er den Deckenfluter Stylos; eine zylindrische Lichtsäule, die zeitlose Eleganz verströmt. Der Diffusor aus Acryl verfügt über zwei voneinander unabhängig schaltbare Lichtquellen, die jeweils diffuses Raumlicht sowie direktes Licht nach oben spenden.

Tischleuchte Snoopy

Foto: Die Tischleuchte Snoopy von Flos ist nur auf den zweiten Blick als solche erkennbar.

Typisch für Achille Castiglionis Entwürfe ist das spielerische Mittel der Zweckentfremdung. Entsprechend seiner Designphilosophie rangiert Funktionalität vor Ästhetik, doch hat ein gutes Designobjekt, immer zugleich funktional und ästhetisch ansprechend zu sein. Die Tischleuchte Snoopy, die ein Beispiel der grandiosen Zusammenarbeit zwischen Achille und Pier Giacomo Castiglioni ist, verdeutlicht diese Herangehensweise. Die Ähnlichkeit zur namensgebenden Comicfigur fällt bei diesem Entwurf sofort ins Auge und lässt den Betrachter schmunzeln. Der Schirm der 1967 entworfenen Designleuchte besteht aus schwarz lackiertem Metall, ihr Sockel aus weißem Marmor. Das intensive, direkt auf die Tischfläche fallende Licht kann am Sockel gedimmt werden.

Foto: Die Tischleuchte Taccia ist ein Entwurf von Achille und Pier Giacomo Castiglioni für Flos. Der Designklassiker, den es nun nur noch als zeitgemäße LED-Auflage gibt, besteht aus einer gerippten Säule aus Aluminium und einem verstellbaren, parabolischen Glasdiffusor.

Achille Castiglioni war aber nicht nur als Industriedesigner und Architekt erfolgreich, er konnte auch auf eine beeindruckende akademische Laufbahn zurückblicken. Nach seiner Promotion 1944 widmete er sich der Forschungsarbeit zum Thema Formen, Techniken und innovative Materialien mit dem Ziel, einen kompletten Projektierungsprozess zu realisieren. 1969 erhielt er vom italienischen Erziehungsministerium seine Habilitierung als freier Dozent für Künstlerische Projektausarbeitung zu Industriezwecken und übernahm bis 1980 den Lehrstuhl als ordentlicher Dozent an der Fakultät für Architektur in Turin, und im Anschluss bis 1993 den Lehrstuhl für Industriedesign in Mailand.

Foto: Der Designer Achille Castiglioni betrachtet die Pendelleuchte Taraxacum, seinen originellen Entwurf, dessen Struktur aus 20 Dreiecken aus poliertem Aluminiumguss und 60 darauf angeordneten Globe-Lampen besteht.

Seine Arbeiten wurden mit zahlreichen Designpreisen geehrt, unter anderem erhielt er neun Mal den Compasso d’Oro. Diese wurden in vielen Ausstellungen gezeigt, wobei einige seiner Entwürfe sich heute in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York befinden. 2002, im Alter von 84 Jahren, schied die Designlegende in Mailand aus dem Leben und hinterließ uns zahlreiche, raffinierte Designobjekte, die nicht in Vergessenheit geraten werden.